BOB-WM: Gold, Silber und Bronze für Team Deutschland im Zweierschlitten – ein Hundertstel-Krimi in Lake Placid
• Herzschlag-Finale in Lake Placid: Francesco Friedrich und Alexander Schüller gewinnen mit drei Hundertstel Vorsprung
• Hansi Lochner und Georg Fleischhauer holen Silber
• Adam Ammour und Benedikt Hertel auf Rang 3
• Bundestrainer Rene Spies: "Ein überragendes Rennen"
Lake Placid (bsd, hb/09.03.2025) Vor dem vierten Lauf im WM-Zweierbob-Bewerb machten es vor allem Johannes Lochner und Georg Fleischhauer nochmal extrem spannend: Denn mit Bahnrekord (54,52 Sekunden), der alte hatte 22 Jahre Bestand, verkürzten sie ihren 14-Hundertstel-Rückstand auf Francesco Friedrich und Alexander Schüller auf sechs Hundertstel. Für ein großes Finale war also alles gerichtet. Eine halbe Sekunde hinter Platz 1 als Dritte im besten Medaillenrennen: Adam Ammour und Benedikt Hertel – Vorsprung auf Rang 4 mit Del Duca/Volker aus den USA: 0,25 Sekunden.
Die besten 20 (aus zwölf Nationen) durften nach drei Durchgängen im dichten Schneetreiben von Lake Placid die Entscheidung bestreiten. Und was wurde das für ein Finale: Adam Ammour fuhr an die Spitze. Dann kam Hansi Lochner, übernahm die Führung. Und schließlich Francesco Friedrich: Grün oben, Rot im Mittelteil, dann zeitgleich mit Lochner, unten wieder Grün – WELTMEISTER mit nach vier Läufen lediglich drei Hundertstel Vorsprung. Für Alex Schüller war es das siebte WM-Gold! 0,83 Sekunden hinter den Siegern: Adam Ammour und Benedikt Hertel – das Podest komplett Schwarz-Rot-Gold.
Auf den nächsten drei Plätzen und somit dem Siegerehrungsbild: 4. Frank del Duca/Charles Volker (USA), 5. Michael Vogt/Andreas Haas (Schweiz), 6. Brad Hall/Taylor Lawrence (GBR).
Francesco Friedrich: "Es war durchgehend spannend. Das hatte sich schon im Training angedeutet, es hatte sich gestern angedeutet, dass es eng werden würde. Die paar Hundertstel von gestern haben uns heute den Hintern gerettet. Wir haben das gut gemacht. Jetzt heißt es ausruhen und bis Mittwoch wieder in Gang kommen, wenn der Vierer losgeht."
Alexander Schüller zu seinem 7. WM-Gold: "Ich weiß gar nicht, wo die anderen Medaillen sind, ich glaube im Wohnzimmer. Mein Sohn hat hin und wieder schon mal was gefunden, aber an sich ist alles gut versteckt."
Hansi Lochner: "Ich kann jetzt erstmal zufrieden sein, mit meiner Leistung an den Lenkseilen. Mit den Startleistungen auch. Es war das härteste Rennen, an das ich mich erinnern. Wir wollten so gern die Goldmedaille holen. Aber der Franz war wieder den einen "Muckenbeidl" schneller, wie wir in Bayern sagen. Den Bahnrekord haben wir übrigens den sechs Jungs vom Königssee zu verdanken, die hier sind und das Eis in den sensationellen Zustand versetzten, wie wir es jetzt vorfanden. Vielen Dank, dadurch hatten wir dieses geile Rennen."
Georg Fleischhauer: "Es war ein super Rennen. Es hat nicht ganz gereicht, es ist immer schwer, gegen den Franz. Wir können schon stolz sein. Es ist jetzt auch egal, das Allerwichtigste ist nächstes Jahr Olympia. Wir wissen, wir können alles schaffen."
Adam Ammour: "Es war ein guter Tag heute. Das Rennen lief sehr gut für uns. Wir mussten unseren 3. Platz verteidigen, die Amis waren uns dicht auf den Fersen. Sie haben dann eine Klasse-Zeit vorgelegt, am Start und auch in der Bahn. Da mussten wir erstmal nachziehen, der Druck war natürlich groß. Ein kleiner Fehler oben und wir wären weggeflogen. Aber wir haben das gut gemanagt und uns am Start steigern können - Bronze, hey, es hätte nicht besser laufen können."
Benedikt Hertel: "Die Startzeit war gestern im ersten Lauf verblüffend gut. Dann haben wir etwas nachgelassen und mussten jetzt nochmal liefern. Die Jungs von Franz und Hansi sind einfach noch ein bisschen besser als wir, in einer anderen Welt. Jetzt werden wir trainieren im Sommer, wir werden auch dahin kommen."
Bundestrainer René Spies: "Ein überragendes Rennen. Bis zum Schluss auf Augenhöhe zwischen Franz und Alex sowie Hansi und Georg. Am Ende hatte ich mir gewünscht, dass es wieder zeitgleich ist, wie 2017. Beide waren wirklich auf einem Niveau. Und auch Adam Ammour mit einer sehr starken Leistung auf Bronze – das war nicht so leicht, weil uns die Amerikaner mit einem sehr gut laufenden Schlitten das Leben schwer gemacht haben."
– Fotos: Viesturs Lacis
– Text: Hans-Joachim Bittner




